Konflikte zwischen Fuß- und Radverkehr vermeiden: Bericht von der Mahnwache für eine getötete Fußgängerin am 17. Juli 2020 in Mahlsdorf-Süd

Roland Stimpel vom Fuss e.V. spricht zu den Trauernden – cc-by-sa-4.0; Stg-TK des adfc-berlin

Im Regelfall sind es Autofahrer, die Fußgänger an Querungshilfen überfahren und töten. In TK gab es in den letzten Jahren mehrere solcher Fälle, zuletzt im Mai diesen Jahres. In diesem Fall missachtete nach den Angaben der Polizei dagegen vermutlich ein Radfahrer eine rote Ampel und fuhr im Juni eine 86-jährige Fußgängerin an. Sie starb mehrere Wochen später im Krankenhaus. Mit einer Kundgebung gedachten VCD Nordost, FUSS e.V., Changing Cities e.V. und ADFC Berlin e.V. der Fußgängerin. Auch wir waren im nördlichen Nachbarbezirk vor Ort.

Gemeinsam erinnerten die Verbände daran, dass Verkehrsteilnehmende stets Rücksicht aufeinander und besonders auf Schwächere nehmen müssen. Gerade bei engen, unübersichtlichen Verkehrssituationen wie an der Kreuzung Erich-Baron-Weg Ecke Hultschiner Damm ist die Einhaltung der Regeln besonders für ungeschützte Verkehrsteilnehmer lebenswichtig. Bei der Fußgängerin handelt es sich um die 12. getötete zu Fuß gehende Person und die insgesamt 33. Verkehrstote in Berlin in diesem Jahr.

Kundgebung in der Nähe des Unfallortes – cc-by-sa-4.0; Stg-TK des adfc-berlin

Dieser Unfall wäre vielleicht vermeidbar gewesen. Am Hultschiner Damm drängen sich Tram, Auto-, Fuß- und Radverkehr auf engstem Raum. Auch kleine Fehler haben hier schnell große Konsequenzen. Für den Radverkehr ist der viel zu schmale, unübersichtliche und rechtswidrig benutzungpflichtige Hochbordradweg die einzige durchgehende Verbindung zwischen Köpenick, Mahlsdorf Süd und dem nordöstlichen Marzahn-Hellersdorf.

Bereits 2018 hatten mehrere Verbände in ihrer alternativen Radnetzplanung für Berlin eine Entzerrung des Radverkehrs durch zusätzliche Routen parallel zum Hultschiner Damm/Mahlsdorfer Straße vorgeschlagen. Gerade für den schnellen Radverkehr, Pedelecs und Lastenräder wären diese Routen abseits der Hauptverkehrsstraße attraktiv. Die Beteiligten des Unfalls im Juni wären sich so möglicherweise nie begegnet.

Ausschnitt des Radnetzplans Süd-Ost der Verbände mit Parallelrouten (Screenshot) – cc-by-sa-4.0; Stg-TK des adfc-berlin

Einige der vorgeschlagenen Routen existieren in unvollständiger Form bereits heute. Die zu ergänzenden Teile und Beschilderungen zur Führung des Radverkehrs liegen vielfach in der Zuständigkeit der Bezirke. Unsere Vorschläge liegen ihnen und dem Berliner Senat seit 2018 vor. Geschehen ist seitdem viel weniger, als möglich gewesen wäre. Zumindest in Treptow-Köpenick ist man damit beschäftigt, 10 Jahre alte Planungen abzuarbeiten. Und die offizielle Radverkehrsnetzplanung des Senats ist seit Juli 2019 überfällig.

Dabei gäbe es viele leicht umsetzbare Möglichkeiten, den zunehmenden Radverkehr besser zu verteilen. Gerade in und um Köpenick liegt es auch an den Forst- und Naturschutzbehörden, den Beitrag aktiver Mobilität zum Umwelt- und Klimaschutz anzuerkennen. Sie können in ihren Zuständigkeitsbereichen bereits befestigte Wege für den Fuß- und Radverkehr ertüchtigen und entsprechende Planungen von Bezirks- und Senatsebene unterstützen. Dass dies gut möglich ist, zeigt beispielhaft die Erneuerung des Belages der Birkenallee im Berliner Stadtforst und die Verbreiterung eines beliebten naturnahen Geh- und Radweges entlang des Müggelseedamms zwischen Friedrichshagen und Hirschgarten.

Wenn es jedoch in dem Tempo weitergeht wie bisher, bleibt zu befürchten, dass auch in Treptow-Köpenick und Umgebung auf dem Weg zur Vision Zero noch viel zu viele Mahnwachen für die Opfer des Straßenverkehrs abgehalten werden müssen.

Aufstellen der Gedenkfigur – cc-by-sa-4.0; Stg-TK des adfc-berlin

Der ADFC und wir als Stadtteilgruppe TK beteiligten uns an dieser Mahnwache, weil wir die Vision Zero unterstützen – im Hinblick auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer ohne Unterscheidung nach den näheren Umständen und der Schuldfrage. Zugleich würden wir uns freuen, auch einmal Vertreter der Automobilclubs bei Mahnwachen für durch Autofahrer getötete Menschen anzutreffen.

Aufgestellte Gedenkfigur, Blumen und Kerzen der Trauernden – cc-by-sa-4.0; Stg-TK des adfc-berlin

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